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22.07.2010 18:45 Die Mannschaft der SG Flensburg-Handewitt hat gerade das Training im Förde-Fitness beendet. Per Carlén führt noch ein kurzes Gespräch mit Jacob Heinl, dann hat der SG-Trainer Zeit für ein Interview, in dem er viel über die Vorbereitung, die Struktur der neuen Mannschaft und der sportlichen Erwartungen verrät.
Die Saison-Vorbereitung läuft auf vollen Touren. Welche Schwerpunkte hast du gesetzt? Was ist anders als im letzten Jahr? Per Carlén: Wir sind sehr gut gestartet. Die Reise nach Dubai war optimal für den Teamgeist – auch weil wir nur eine Krafteinheit und ein Spiel absolviert haben. Stattdessen haben wir viel gesehen, und die Spieler konnten nach der Pause viel miteinander sprechen. In dieser Woche trainieren wir intensiver, werden uns in den nächsten Tagen weiter steigern. Es ist gut, dass wir von Dubai aus nicht direkt nach Schweden ins Trainingslager gefahren sind, denn die nächste Woche wird der Hammer. Insgesamt haben wir die Zahl der Testspiele um rund zehn gedrosselt. Es ist wichtig, mehr Zeit für das physische Training zu haben.
Nach der letzten Saison hast du gesagt, dass es schwer sein würde, die Bilanz von nur 14 Minuspunkten zu unterbieten. Aber unmöglich ist es nicht, oder? Per Carlén: Weil der Ausgang der letzten Saison so erfolgreich war, starten wir auf jeden Fall mit einem schönen Gefühl. Ich sehe das Team nun auf einem höheren Niveau als vor Jahresfrist. Wir wollen einen Schritt weiter nach vorne machen. Im Training laufen wir etwas länger und schmeißen auch bei den Kraft-Einheiten eine Schippe drauf.
Die SG hat drei neue Spieler, alle sind über 30. Gewollt oder Zufall? Per Carlén: Wir sind von unserer Philosophie, mit jungen Spielern zu arbeiten, etwas abgewichen. Für die Champions League brauchen wir einfach etwas mehr Erfahrung, zumal uns ein Routinier wie Lars Christiansen verlassen hat. Wir stehen vor einem speziellen Jahr mit großen Herausforderungen in der Champions League und in der Bundesliga. Übrigens: Unsere Neuzugänge sind von der Physis her noch nicht jenseits der 30. Sie stehen voll im Saft.
Wie würdest du die Neuzugänge charakterisieren? Per Carlén: Támas Mocsai und Viktor Szilagyi sind komplette Handballer und vergrößern auch in der Abwehr unsere Möglichkeiten. In Lemgo hat Támas Mocsai nicht nur im rechten Rückraum, sondern auch viel als Spielmacher agiert. Bei uns sehe ich ihn mehr als Alternative auf Rechtsaußen zu Lasse Svan Hansen. Viktor Szilagyi ist ebenso Regisseur wie Halblinker. Wir haben in unserem Rückraum so viel Potenzial, dass ich aufpassen muss, nicht durch zu häufige Wechsel womöglich Unruhe in die Mannschaft zu bringen. Nicht vergessen sollten wir an dieser Stelle Sören Rasmussen. Mit ihm haben wir auf der sehr wichtigen Torhüter-Position zwei erfahrene Leute.
Die SG ist nach einjähriger Pause wieder in der Champions League dabei. Was erwartest du? Per Carlén: Über unsere Ziele haben wir noch nicht gesprochen, aber ein Weiterkommen sollte Pflicht für uns sein. Auch Platz vier wäre nicht wünschenswert, da dann im Achtelfinale ein starker Gruppenerster auf uns warten würde. Favorit in der Gruppe sind aber gewiss nicht wir, sondern Ciudad Real. Wenn ich es richtig sehe, müssen wir uns viel mit offensiven Abwehr-Formationen beschäftigen. Unsere Gegner spielen alle entweder ein 3:2:1- oder ein 5:1-System.
 Per Carlén führt derzeit viele Gespräche.
Wird der geballte Spielplan Einfluss auf den SG-Betrieb haben? Per Carlén: Die vielen Reisen werden Energie kosten und Müdigkeit produzieren – das ist klar. Wenn die englischen Wochen beginnen, müssen wir das physische Training kräftig reduzieren. Dann lautet unser Rhythmus: Regeneration, Taktik, Spiel, Regeneration.
An der Bundesliga-Spitze lieferten sich zuletzt der THW Kiel und der HSV Hamburg einen packenden Zweikampf. Erwartest du eine Wiederholung oder werden in dieser Serie auch andere Teams nach der Meisterschale greifen? Per Carlén: Die Rhein-Neckar Löwen haben nun mehr richtige Spielertypen in ihrem Kader als zuletzt und werden sich bestimmt nicht mehr so viele Auswärtsniederlagen erlauben. Sie erwarte ich weiter vorne. Bei Göppingen, Lemgo und Gummersbach muss man abwarten. Ganz an der Spitze sehe ich zur Zeit Vorteile beim HSV. Die Hamburger starten mit einer eingespielten Truppe, während ich gespannt bin, wie sich Kim Andersson beim THW Kiel zurückmeldet.
Deine Mannschaft hast du in dieser illustren Aufzählung gar nicht erwähnt… Per Carlén: Klar ist, dass uns die Konkurrenz nicht wieder unterschätzen wird. Alle Mannschaften haben dazu gelernt. Aber auch wir haben noch zwei oder drei neue Ideen für unser Spielsystem. Wichtig ist, dass wir einen guten Saisonstart erwischen. Persönlich hoffe ich darauf, dass wir nun auch gegen Kiel und Hamburg punkten können.

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